Fahrten und Veranstaltungen

 

Hör mal im Denkmal

Vogelsberger Kultur- und Geschichtsverein besucht Schloss Birstein

Einmal im Jahr öffnet das Schloss Birstein seine Pforten für Besucher – immer am Tag des offenen Denkmals. Dann gibt es im weißen Saal ein Konzert. Der weiße Saal ist unbestritten einer der schönsten Repräsentationsräume in Hessen, von den Eltern des jetzigen Erbprinzen Alexander aufwändig saniert, wie dieser einleitend erläuterte. Die Tradition der Konzerte begründete seine Mutter vor 20 Jahren.

In diesem Jahr spielte ein hochrangiges Trio mit Nami Ejiri, einer Pianistin aus Japan. Sie hat schon viele internationale Preise gewonnen. Auf der Stradivari Geige aus dem Jahr 1727 spielte Professor Koh Gabriel Kameda. Seit 2010 lehrt er an der Hochschule für Musik in Detmold. Elisabeth Fürniss strich den Bogen über die Saiten des Cellos. Sie war über 20 Jahre Mitglied des Sinfonieorchesters in Münster.

Das Trio: Koh Gabriel Kameda – Nami Ejiri – Elisabeth Fürniss

Das Trio: Koh Gabriel Kameda – Nami Ejiri – Elisabeth Fürniss

Einleitend erzählte sie wie die Stücke entstanden, wie sie in der Zeit vom Publikum aufgenommen wurden und auch wie die Komponisten selbst dazu standen. Zunächst erklang ein Klaviertrio von Ludwig van Beethoven gefolgt von einem weiteren Klaviertrio diesmal von Johannes Brahms.

Elisabeth Fürniss berichtet über die Gestehungsgeschichte der Musikwerke

Elisabeth Fürniss berichtet über die Gestehungsgeschichte der Musikwerke

In der Pause wurden bei schönstem Sonnenschein im Schlosshof kalte Getränke und kleine Häppchen serviert. Zugleich war es eine gute Gelegenheit für die Gäste sich über die wunderschöne Musik auszutauschen. Nach der Pause folgte ein Klaviertrio von Antonin Dvorák. Die Virtuosität der Künstler und das fürstliche Ambiente sorgten für einen stimmungsvollen Nachmittag.

Zuvor hatte die Gruppe den Vogelsberger Dom in Unterreichenbach besichtigt. Die 250 Jahre alte Kirche ist im Inneren mit naturbelassenem Holz sehr schlicht und ohne jede Verzierung oder Malerei ausgestaltet. Nichts sollte den Besucher von Gottes Wort ablenken. Gottesdienste, Hochzeiten oder Taufen waren streng nach der reformierten Lehre konzipiert. Die Kirche ist sehr groß. 1000 Menschen finden in ihr Platz. Die Bewohner der zur Kirchengemeinde gehörenden Dörfer saßen in getrennten Blöcken. Peter Kauck –Vorsitzender des dortigen Geschichtsvereins – informierte die Besucher über Bau und Geschichte der Kirche mit ihrer Zugehörigkeit zum fürstlichen Haus Isenburg.

Im Vogelsberger Dom in Unterreichenbach

Im Vogelsberger Dom in Unterreichenbach

Jahresfahrt des Vogelsberger Kultur- und Geschichtsvereins

in das Elbsandsteingebirge

Weimar – Schloss Moritzburg – Leitmeritz – Theresienstadt – Festung Königstein – Fahrt auf der Elbe – Schlosspark Pillnitz – Pirna

Facettenreich und vielfältig, so lässt sich die diesjährige Jahresfahrt des Vogelsberger Kultur- und Geschichtsvereins am besten charakterisieren.

Unsere Reisegruppe auf der Festung Königstein

Unsere Reisegruppe auf der Festung Königstein

Erste Station war Weimar. Die in historischen Kostümen gewandeten Stadtführer versetzten die Teilnehmer/innen in die Zeit von Goethe und Schiller. Wie Goethe Christiane Vulpius kennenlernte und sie trotz ihrer niederen Herkunft heiratete als sie sein Haus vor der Plünderung durch französische Soldaten rettete. Von seinen Amouren mit Frau von Stein oder sogar Anna Amalia? Von Goethes Freundschaft mit Friedrich Schiller. Heute strahlt Weimar wieder im alten Glanz mit den schön renovierten Bürgerhäusern, mit den Parkanlagen oder die bereits 1967 eingerichtete erste Fußgängerzone der DDR, der Schillerstraße.

Dichterpaar Goethe und Schiller

Dichterpaar Goethe und Schiller

Die Weiterfahrt führte zum Schloss Moritzburg. Das ursprünglich im Renaissancestil erbaute Jagdschloss wurde von August dem Starken barockisiert. Es ist harmonisch in die Landschaft eingefügt und umgeben von einem künstlichen Weiher. Noch heute spürt man Macht und Pracht der Wettiner Fürsten. Bei den kurfürstlichen Festgelagen im Schloss mussten die Gäste mindestens drei Kilo zunehmen sonst wurden sie nicht wieder eingeladen. Neben den mit Geweihen geschmückten Repräsentationsräumen beeindruckt das restaurierte Federzimmer. Millionen bunter Federn aus denen die Wand- und Bettdekorationen besteht, wurden in neunzehnjähriger Handarbeit gereinigt und neu arrangiert.

Schloss Moritzburg

Schloss Moritzburg

Der zweite Tag begann mit einer Stadtführung im Leitmeritz. Die einstmals blühende Metropole des Getreidehandels und der Elbschifffahrt wurde nach dem 2. Weltkrieg zum tschechischen Litoměřice. Die überwiegend deutsch-böhmischen Einwohner wurden vertrieben. Davon kamen viele nach Fulda. Damit gibt es inzwischen eine Städtepartnerschaft. Die historische Bausubstanz wurde nach der Wende vorbildlich restauriert. Der Marktplatz, einer der größten Plätze in Böhmen, ist von ehemaligen Bürger- und Geschäftshäusern umgeben wie das Haus zum Schwarzen Adler oder das ehemalige Rathaus, der älteste Renaissancebau in Nordböhmen. Im „Haus unter der Kuppel“ mit seiner weit über die Stadt ragenden Kuppel tagten früher die Stadtverordneten. Nach der Sage durften sie die Kuppel erst verlassen, wenn ein einstimmiger Beschluss herbeigeführt war.

Bürgerhäuser am Marktplatz von Leitmeritz

Bürgerhäuser am Marktplatz von Leitmeritz

Am Nachmittag fuhren die Schottener in das nahegelegene Ghetto Theresienstadt. Die Stadt ist von mächtigen, völlig unzerstörten Festungsmauern umgeben. Die Nazis machten Theresienstadt ab 1941 zum Transitlager für Juden auf dem Weg in die großen Vernichtungslager. In den ehemaligen Kasernen eingepfercht und ohne ausreichende Ernährung verhungerten aber schon viele vor Ort oder starben an Seuchen. Mit einer Führung wird die die Kleine Festung besichtigt, die von den Nazis als Gestapo-Gefängnis benutzt wurde. In der Anlage spüren wir noch heute die unmenschliche Bürokratie und die Machtdemonstrationen der SS gegenüber den Häftlingen. Beklemmungen hinterlassen Einzelzellen ohne Licht, Massenquartiere ohne sanitäre Einrichtungen und der Hinrichtungsplatz.

Denkmal im ehemaligen Gestapo-Gefängnis von Theresienstadt

Denkmal im ehemaligen Gestapo-Gefängnis von Theresienstadt

Der dritte Tag beginnt mit der Besichtigung der Festung Königstein hoch über der Elbe. Im barocken Pavillon Friedrichsburg erwartet uns eine Weinprobe auf einem Tisch, der wundersam aus der Küche im Untergeschoß heraufstieg. Die Kasematten in der Festung waren das Quartier für Soldaten. Später dienten sie als Staatsgefängnis – unter anderem saß dort der Begründer der Sozialdemokratie August Bebel ein. Aus dem größten Weinfass der Welt wurde ein Bacchus aus dem Elbtal verkostet. Der 151 Meter tiefe Festungsbrunnen wurde im 17. Jahrhundert von Bergleuten in mühseliger Arbeit aus dem Felsen abgeträuft.

In den Kasematten der Festung Königstein

In den Kasematten der Festung Königstein

Eine entspannte Fahrt mit dem Raddampfer brachte die Vogelsberger dann nach Pillnitz, wo zwei Botanikerinnen ihren Gästen durch den Schlossgarten führten. Attraktionen sind dort u.a. eine riesige Kamelie mit einem fahrbaren Winterschutz oder die 104 Fliederbäume – eine Rarität.

Die 230-jährige Pillnitzer Kamelie mit Winterhaus

Die 230-jährige Pillnitzer Kamelie mit Winterhaus

Eine Stadtführung in Pirna rundete am letzten Tag vor der Heimfahrt das Besuchsprogramm im Elbsandsteingebirge ab. Pirna sei nach zwei verheerenden Elbehochwassern heute schöner denn je, meinte der Stadtführer. Hier wurde Tetzel geboren, der Gegenspieler Luthers. Dessen holzvertäfelte gute Stube wurde im Originalzustand restauriert. Der Marktplatz Pirnas gleicht wieder der berühmten Stadtansicht des Malers Canaletto aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Zum lebhaften Stadtleben tragen viele junge Familien bei, die im nahen Dresden arbeiten, in Pirna aber erschwinglichere Wohnungen gefunden haben. Farbige Kreuze auf den Straßen erinnern an ein düsteres Kapitel der Stadt, die Euthanasieanstalt der Nazis in der Festung Sonnenstein oberhalb von Pirna.

Pirna im Mittelalter – gemalt von Canaletto

Pirna im Mittelalter – gemalt von Canaletto

Das schöne Sonnenwetter der letzten Tage blieb auch bei der Rückfahrt unser Begleiter und trug zum Gelingen des Ausflugs in das Elbsandsteingebirge bei.

Dem Ehrenamt auf der Spur

Vogelsberger Kultur- und Geschichtsverein besucht Kloster Arnsburg, Schloss und Kirche in Hungen

Schottener vor dem Kloster Arensburg

Schottener vor dem Kloster Arnsburg

Das Kloster Arnsburg ist ein beliebtes Ausflugsziel in der Wetterau. Jeder war schon einmal da. Wie auch die Teilnehmer/innen des jüngsten Ausflugs des Vogelsberger Kultur- und Geschichtsvereins. Durch die sachkundige Führung der Vorsitzenden des Freundeskreises Marion Knorr tauchten wir jetzt auch in die Geschichte ein. Das ehemalige Zisterzienserkloster war die „schöne Tochter“ des Kloster Eberbach und mindestens ebenso reich mit vielen landwirtschaftlichen Gütern und einer noch größeren Anzahl von Stadthäusern, die von 1174, dem Gründungsjahr bis 1803, der Auflösung des Klosters, erworben wurden. Während die das Land bearbeitenden Bauern den Zehnten abliefern mussten, war das Kloster von jeder Abgabe befreit.

Bei der Auflösung fiel das Kloster an die Grafen zu Solms-Laubach als Entschädigung für Gebiete, die von Napoleon rechtsrheinisch enteignet worden waren. Sie hatten wenig Interesse an der Klosterkirche und gaben sie – nachdem alle Wertsachen entfernt worden waren – zum Abriss frei. Davon machten vor allem die Bauern regen Gebrauch und viele Häuser aus der Gegend sind mit Quadern aus der Kirche errichtet. Bereits 1812 machte der Denkmalschutz dem Treiben ein Ende und verfügte, dass die Kirche so erhalten bleiben muss wie sie damals war, eine wunderschöne halb romanische halb gotische Ruine.

Heutige Klosterruine

Heutige Klosterruine

Während die Grafen die restlichen Gebäude vermieteten, verfiel die Kirche immer mehr. Die Wende kam 1960. Damals suchte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ein Gelände für eine Kriegsopferstätte und fand sie mit Zustimmung des Grafen im ehemaligen Kreuzgang des Klosters – weltweit einmalig.

Soldatenfriedhof im ehemaligen Kreuzgang

Soldatenfriedhof im ehemaligen Kreuzgang

Zur gleichen Zeit gründete sich ein Freundeskreis, der den Schutt beiseite räumte und mit Unterstützung des Landes Hessen und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und vielen Spendengelder und unzähligen Arbeitsstunden der Kirche und den ehemaligen Klostergebäuden das heutige Aussehen verlieh. Im Laufe der Jahre wurden so über 3 Millionen € investiert. Heute ist die Kirche Veranstaltungsort für Konzerte. Das Paradies – der ehemalige Zugang zur Kirche – ist ein beliebter Ort für Hochzeiten. Im ehemaligen Dormitorium finden Ausstellungen statt – alles Aktivitäten, um auch weiterhin Geldmittel zum Erhalt der Anlage einzuwerben. Tief beeindruckt vom ehrenamtlichen Engagement der Mitglieder des Freundeskreises fuhr die Gruppe weiter nach Hungen.

Dort fanden sie ein weiteres Beispiel für vorbildliches Ehrenamt im Hungener Schloss. Baubeginn war 1383. Mehrfach wurde an- und umgebaut. Von 1602 an gab es fast für 100 Jahre eine selbständige Grafschaft Hungen. Um 1700 wurde die barocke Fassade angebaut. Seitdem gab es keine wesentlichen Veränderungen. Auch das ist bemerkenswert. Das Schloss wurde zeitweise von den Besitzern, den Grafen Solms-Braunfels, bewohnt. Später wurde es Altenheim und schließlich wohnten dort türkische Gastarbeiter. 1974 bot der Graf dem bereits in einem Anbau des Schlosses wohnenden Prof. Adolf Hampel das mittlerweile desolate Schloss als Geschenk an, da weder die Gemeinde Hungen noch als auch die Kirche aus Kostengründen Interesse zeigten. Hampel nahm an und gründete mit anderen Interessierten eine Eigentümergemeinschaft. Insgesamt wurden 23 Wohnungen geschaffen und das Schloss mit unermüdlichem Einsatz und vielem privatem Kapital weitestgehend in seinen Originalzustand versetzt. Auch hier gründete sich ein Freundeskreis, der in den öffentlich zugänglichen Gemeinschaftsräumen Konzerte, Lesungen und Ausstellungen veranstaltet und mit den Erlösen zur Substanzerhaltung beiträgt. Wie Hampel betonte gab es in den 40 Jahren seines Bestehens keine größeren Konflikte, statt dessen viele harmonische gemeinsame Feiern und Veranstaltungen.

"Schlossbesitzer" Professor Adolf Hampel erzählt die Geschichte des Hungener Schosses

„Schlossbesitzer“ Professor Adolf Hampel erzählt die Geschichte des Hungener Schosses

Eine Besichtigung der Hungener Stadtkirche und ein leckeres Mittagessen in der Hungener Käsescheune rundeten den Besuch ab. Es war ein Ausflug mit vielen bleibenden Eindrücken, wie die zufriedenen Teilnehmer/innen fanden.

Version 2

 

 

 

 

 

Dorfrundgang Burkhards

Vogelsberger Kultur- und Geschichtsverein erkundet Schottener Ortsteile

In wenigen Jahren feiert Burkhards sein 1000jähriges Jubiläum erläuterte Ortsvorsteher Frank Wolf den 20 Besuchern, die trotz der eisigen Kälte zu einem Dorfrundgang erschienen waren.

Burkards Ortsvorsteher Frank Wolf

Burkards Ortsvorsteher Frank Wolf

1020 wurde der Ort im Codex Eberhardi als Burkhardesrode erstmals urkundlich erwähnt. Damals ein kleines Bauerngut gewann Burkhards schon 1311 als Gerichtssitz überörtliche Bedeutung. Die strategische Lage war günstig, der Ort lag zwischen zwei überörtlichen Handelsstraßen, die rechts und links der Nidder entlangführten. Zum Gericht Burkhards gehörten Eichelsachsen, Busenborn, Eschenrod, Hartmannshain, Herchenhain, Kaulstoß, Sichenhausen, Wingershausen und das in der Nähe der Alteburg gelegene adlige Hofgut Winnolths Feld. Der Ort wuchs ständig. Um 1555 zählte der Ort nach Aufzeichnungen des Schultheißen Melchior von Jossa 100 salische und ebenso viele nichtsalische Güter und hatte damit hochgerechnet ca. 1.000 Einwohner. Die Frauen und Kinder wurden damals nicht gezählt, von Bedeutung waren nur die Männer.

Heute hat Burkhards noch ca. 450 Einwohner. Dabei hat Burkhards durchaus Schätze vorzuweisen. Der Rundgang begann an der unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Schule, heute Dorfgemeinschaftshaus, mit einer bemerkenswerten Backsteinfassade. Zwei Häuser weiter eine alte Hofreite, ein sogenannter Streckhof, in dem Wohnen und Viehhaltung unter einem Dach waren. Beim Blick zurück konnte man die vielen schön gepflegten Fachwerkhäuser bewundern, darunter auch das älteste Haus im Dorf, das leider leer steht. Dann ging es zur alten Brücke über die Nidder aus dem Jahr 1780, die gerade frisch saniert worden war. Es folgte ein Gang zur Aussegnungshalle mit den im offenen Vorraum aufgestellten historischen Grabdenkmalen alteingesessener Burkhardser Familien. Die ältesten stammen aus dem Jahr 1643, die jüngsten um 1840 mit sehr gut erhaltenen Inschriften, darunter viele barocke Grabsteine. Den Abschluss bildete der Besuch der großen Hallenkirche mit ihrer sehr schönen Barockkanzel und vielen farbigen barocken Malereien mit Szenen aus der Bibel, Evangelisten und Aposteln. An der Außenwand findet sich der „Hellge“, ein aus Stein gehauener Kopf, der noch aus der Stumpe Kirch stammen soll, die ebenfalls in der Gemarkung liegt.

Zu Besuch im Schottener Ortsteil Burkhards

Zu Besuch im Schottener Ortsteil Burkhards

Mit einem herzlichen Dank an Frank Wolf und die Kirchenführerin Marina Giebisch verabschiedeten sich die Gäste.

Zu Besuch in Frankfurt

Der Vogelsberger Kultur- und Geschichtsverein auf den Spuren der alten Handelsstadt

Die Handels- und Messestadt Frankfurt war kürzlich das Ziel des Vogelsberger Kultur- und Geschichtsvereins. Unter kundiger Führung von Gästeführer Dieter Wesp besichtigten die Besucher zunächst einige der ältesten Geschäfte der Stadt. Dazu zählt zum Beispiel die Firma Wächtershäuser mit seiner Riesenauswahl an Knöpfen, Nähseiden und anderen Kleinigkeiten, die das Nähen erleichtern. Bartträger können im Bürstenhaus Frankfurt die gerade sehr gefragten Bartbürsten erwerben. Im Messerhaus Dotzert kann man auch heute noch seine Messer schärfen und sich die Qualitätsunterschiede bei Küchenmessern erläutern lassen. Samen Andreas erfüllt dem Hobbygärtner auch ausgefallene Wünsche für Garten und Balkon. Ein gerade herauskommender Kunde schwört auf diesen Fachhandel. Bei Pelz-Türpitz probierten der weibliche Teil der Besucher einige der exquisiten Pelzmäntel. Sie werden in der eigenen Werkstatt im selben Haus oder in Italien manuell gefertigt.

So ein Pelzmantel macht doch was her

So ein Pelzmantel macht doch was her

Glücklicherweise können sich diese Geschäfte noch in der Frankfurter Innenstadt gegenüber den großen Ketten behaupten, weil sie entweder den Besitzern gehören oder eine zu kleine Grundfläche haben, um für große Ketten interessant zu sein. Ansonsten werden sie gnadenlos vom Markt verdrängt, wie z.B. die alteingesessene Buchhandlung Carolus, die einer Filiale von Butlers weichen musste. Das Haus gehört dem Bistum Limburg, das schließlich auf eine gute Verwertung seiner Immobilien achten müsse, so die Begründung. Dass damit Frankfurt wie auch andere Großstädte ihren unverwechselbaren Charakter verlieren, scheint niemanden wirklich zu interessieren.

Hinter der Liebfrauenkirche verweilten die Besucher einige Zeit in einem Raum der Stille mitten in der Stadt. Hier leben immer noch 6 Kapuzinermönche, die unter anderem Obdachlosen jeden Morgen ein kostenloses Frühstück bereiten.

An den Stoltzehöfen, die gerade zu einer der vielen Luxuswohnanlagen in Frankfurt umgebaut werden, erfuhren die Gäste einiges über diesen unerschrockenen Frankfurter Demokraten. Friedrich Stoltze gehörte zu den 30.000 Menschen, die 1832 auf dem Hambacher Schloss für nationale Einheit, Freiheit und Volkssouveränität demonstrierten. Leider erlebte er die deutsche freiheitliche Demokratie nicht mehr, für die er lebenslang kämpfte. Sein politisches Werk ist zu Unrecht in Vergessenheit geraten. Unser Stadtführer zitierte aus seinem Freiheitslied: “Und wann die Siegeshörner blasen und glüht der Völker Morgen rot, heb ich hinweg den leichten Rasen und rufe Freiheit noch im Tod“. Auch das Denkmal des Frankfurter Chemikers und Nobelpreisträgers Otto Hahn wurde besichtigt. Der später hochgeehrte Entdecker der Kernspaltung war im ersten Weltkrieg aber auch Mitglied einer Spezialeinheit für chemische Kriegsführung mit Giftgasen.

Einer der Höhepunkte des Ausflugs war die Kleinmarkthalle, die nach den Bombennächten des 2. Weltkriegs wieder neu errichtet worden war. Mit ihren Ständen spiegelt sie die ganze kulturelle Vielfalt Frankfurts wider. Kaum einer der 30 Teilnehmer/innen konnte den verlockenden Angeboten an Fleisch, Käse, Gewürzen, Schokoladen und vielen anderen Leckereien widerstehen.

Köstlichkeiten in der Kleinmarkthalle

Köstlichkeiten in der Kleinmarkthalle

Von hier ging es zur Staufenmauer und damit dem Ort, an dem sich früher die Frankfurter Judengasse befand, das älteste Ghetto in Europa. Sehr deutlich ist noch die Krümmung der alten Gasse erkennbar, ebenso wie eines der Tore, mit dem der Bezirk allnächtlich verschlossen wurde. Anselm Rothschild, Begründer des berühmten Bankhauses, wurde hier geboren.

Mit einem Besuch einer Tapas Bar endete der ereignisreiche Ausflug in bester Stimmung.

Jahresfahrt ins Ruhrgebiet

Das Ruhrgebiet war lange das industrielle Herz Deutschlands. Nach der Schließung der Zechen und der Stilllegung der Stahlindustrie befindet es sich in einem tiefgreifenden Wandel auf der Suche nach neuen Arbeitsplätzen. Nur Wenigen ist bewusst, dass das Ruhrgebiet auch eine uralte Kulturlandschaft ist und mehrere Städte wie Dortmund oder Hattingen auch der Hanse angehörten.

Die Besucher aus dem Vogelsberg waren überrascht, wie vielfältig sich das Ruhrgebiet präsentiert und welchen Lebensmut man dort trotz des Verlustes von mehreren zehntausenden Arbeitsplätzen vorfindet.

Unser erstes Ziel Dortmund war wie die meisten Ruhrgebietsstädte zu über 90 Prozent im Krieg zerstört worden. Nur einige Kirchen hat man wieder aufgebaut. So zum Beispiel die St. Petri Kirche mit dem „Goldenen Wunder“, einem Altar aus der Kunstwerkstatt Antwerpen. 633 in Eichenholz geschnitzte und vergoldete Figuren stellen Szenen aus der Bibel dar. Im Dortmunder U, früher das Gebäude der Union Brauerei, heute Museum, gab es auf dem Dach eine Rundumsicht auf die Stadt. Ein Pastor erläuterte dann sehr lebendig und mit vielen Anekdoten die Gründung des BVB, dem einzigen Bundesligaverein, dessen Gründung in einer Kirche erfolgte.

In der Gründungskirche des BVB

In der Gründungskirche des BVB

Ein Höhepunkt war dann der Besuch der Ausstellung „Wunder der Natur“ im Gasometer Oberhausen. Der Gasometer war der größte in Europa und ist als Industriedenkmal an sich schon beeindruckend. Die wunderbaren Tierfotos von Fotografen aus aller Welt wurden begleitet von Geschichten über die einzigartigen Verhaltensweisen dieser Spezies. Im Anschluss wurde die Weltkugel besichtigt, die frei im Raum schwebt und Ansichten aus dem Weltraum zeigt.

Blick auf die Erde aus 35.000 Kilometer Höhe

Blick auf die Erde aus 35.000 Kilometer Höhe

Auf dem Rückweg machen wir Halt bei der Merkez-Moschee. Wir werden sehr freundlich empfangen und dürfen den Innenraum dieser größten Moschee in Europa auch besichtigen. Als dann allerdings das Gespräch auf die aktuelle Situation in der Türkei kommt, merken wir sehr schnell, dass wir es hier mit linientreuen Anhängern Erdogans zu tun haben. Ihr Hodscha wird  vom türkischen Staat bezahlt und die Freitags-Predigt in Ankara formuliert.

Eine Fahrt durch den größten Binnenhafen Europas in Duisburg Ruhrort durfte nicht fehlen. Dem schloss sich ein Besuch in der Zeche Zollverein an, einst eine der modernsten Kohlegruben der Welt, heute Industriedenkmal und UNESCO Welterbe. Die Führung durch die riesige Anlage vermittelte eindringlich, wie hart die Arbeit der Bergleute vor allem im vorigen und vorvorigen Jahrhundert war.

Da durfte ein Besuch der Villa Hügel nicht fehlen, dem riesigen Wohnhaus der Industriellenfamilie Krupp, der mit Stahlproduktion und vor allem der Erfindung des nahtlosen Rades immense Reichtümer anhäufte und das in der Ausstattung des Hauses auch sehr deutlich zeigte.

Unsere Gruppe am Aufgang zur Villa Hügel

Unsere Gruppe am Aufgang zur Villa Hügel

Unendlich kostbar sind auch die goldenen Vortragekreuze in der Essener Domschatzkammer, deren Besuch ebenfalls auf dem Programm stand. Auf dem hölzernen Schaft sind in Gold getriebene Figuren zu sehen. Am Schaft eine Emailtafel mit Bildern der Fürstäbtissinnen aus ottonischem Geschlecht, die im 10. Jahrhundert die Stadt regierten.

Den Abschluss bildete ein Rundgang durch das mittelalterliche Hattingen mit seiner wunderhübsch restaurierten Altstadt und ein Besuch der Dorfkirche in Stiepel, wo bei Restaurierungsarbeiten Fresken mit Darstellungen des Kindermords von Bethlehem und der Schaffung von Adam und Eva und ihrer Vertreibung aus dem Paradies gefunden wurden.

Dorfkirche in Seipel

Dorfkirche in Stiepel

Mehr als einmal wurde hervorgehoben, wie grün sich die Landschaft präsentiert und wie wenig sich die Vorurteile bestätigten, die sich mit dem Begriff „Ruhrgebiet“ verbinden. Da auch das Wetter sich von seiner besten Seite zeigte waren alle Teilnehmer/innen rundum zufrieden.

Besuch der Bad Hersfeld Festspiele

Am 10. Juli fuhren fast 50 Mitglieder und Sympathisanten des Vogelsberger Kultur- und Geschichtsvereins zu den Festspielen nach Bad Hersfeld zu MY FAIR LADY. Sie waren von den Schauspielern und der Musik begeistert. Dazu trug auch das wunderschöne Wetter bei.

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Auf den Spuren Martin Luthers, der heiligen Elisabeth und Johann Sebastian Bachs

Vogelsberger Kultur- und Geschichtsverein besucht Eisenach und die Wartburg
Unterwegs auf der Wartburg

Unterwegs auf der Wartburg

Der jüngste Ausflug des Vogelsberger Kultur- und Geschichtsvereins ging zur Wartburg. Auf dem geführten Rundgang wurde den Besucher/innen plastisch vor Augen geführt, wie sehr diese Burg mit der Geschichte Deutschlands verbunden ist. 1211 bis 1227 lebte die später heiliggesprochene Elisabeth von Thüringen auf der Burg. 1521/22 hielt sich der Reformator Martin Luther als „Junker Jörg“ hier versteckt und übersetzte während dieser Zeit das Neue Testament der Bibel in nur elf Wochen ins Deutsche und wurde damit zum Schöpfer der deutschen Schriftsprache. Auch Johann Wolfgang von Goethe weilte mehrfach hier, erstmals im Jahr 1777. Am 18. Oktober 1817 fand auf Einladung der Jenaer Urburschenschaft anlässlich des 300. Jahrestages des Thesenanschlags Martin Luthers (31. Oktober 1517) und im Gedenken an die Völkerschlacht bei Leipzig (16. bis 19. Oktober 1813) auf der Burg das erste Wartburgfest statt. Das zweite Wartburgfest  wurde im Revolutionsjahr 1848 veranstaltet. Die Burg galt bereits im 19. Jahrhundert als nationales Denkmal. Ihr Palas ist der besterhaltene romanische Profanbau nördlich der Alpen. Beeindruckend auch die von Kaiser Wilhelm II. gestifteten Mosaiken in der Elisabeth-Kemenade.

Luthers Arbeitszimmer – auf dem Bild als Junker Jörg

Luthers Arbeitszimmer – auf dem Bild als Junker Jörg

Am Nachmittag stand eine Führung durch die Altstadt auf dem Programm. Die Besucher folgten den Spuren des berühmtesten Sohns der Stadt, Johann Sebastian Bach. In der evangelischen Hauptkirche St. Georgen sang er im Chor und erhielt seinen ersten Orgelunterricht. Die vorzügliche Akustik der Kirche konnten die Teilnehmer/innen genießen, da gerade für ein Konzert geprobt wurde.

Vorbei am Lutherhaus ging es zum barocken Stadtschloss. Erbaut im Auftrag Ernst-August, Herzog von Sachsen Weimar, beherbergt es heute eine Sammlung Thüringer Porzellans, Grafiken und Gemälde sowie eine historische Apotheke. Eine Stube im  Biedermeierstil mit sehr schöner Tapete  gefiel vor allem der Vereinsvorsitzenden Elke Schmidt. Schließlich verfügt das Vogelsberger Heimatmuseum über vergleichbare Möbel. Auf dem Markt vor dem Rathaus im Renaissance-Stil steht der 450 Jahre alte Georgs Brunnen mit vergoldetem Georg der den Drachen tötet. Selbst das Wetter spielte mit. Es regnete nur in der Mittagspause, die die meisten Teilnehmer im Restaurant oder Café verbrachten.

Vogelsberger Kultur- und Geschichtsverein besucht Echzell

Die Schottener Gruppe vor der Replik einer Jupitersäule in Echzell

Die Schottener Gruppe vor der Replik einer Jupitersäule in Echzell

Das Gebiet von Echzell in der Wetterau ist seit etwa 5000 vor Christus besiedelt. Das wird im kleinen Heimatmuseum durch archäologische Funde belegt wie sorgfältig und liebevoll verzierten Gefäße aus der Bandkeramischen und der Rössener Kultur (5.-4-Jh.v. Chr.). Das Museum wurde 1987 auf Anregung des örtlichen Heimat- und Geschichtsvereins mit Unterstützung der Gemeinde gegründet. Georg Renner, der Ehrenvorsitzende des Vereins, gab der Schottener Gruppe anhand der Exponate und Funde einen Überblick über die Geschichte Echzells.

Eine wichtige Bedeutung erhielt Echzell am Übergang vom 1. zum 2. Jh. als einer der Grenzorte des römischen Reiches. Mit einer Größe von 5,2 Hektar und einer Besatzung von 1000 Soldaten war das Limeskartell am Obergermanisch-Raetischen Limes nahezu doppelt so groß wie das wesentlich bekanntere Kastell an der Saalburg. Im Museum sind viele Funde aus dem Kastellgelände und aus der das Kastell umgebenden Zivilsiedlung, dem Vicus, ausgestellt, vor allem Geschirr, Münzen, Schmuck und Werkzeuge. Ein besonders schönes Ausstellungsstück ist die Replik einer Jupitersäule, die aus über 3.000 Fundstücken rekonstruiert wurde. Der Text auf der Säule weist darauf hin, dass sie von einem ehemaligen Soldat des Kastells gestiftet wurde. Die Säule steht zwischen Museum und Kirche.

Beim Einbau einer Heizung wurden unter den Mauern der Kirche die Reste des römischen Bades gefunden, das etwa ein Viertel größer war als die Kirche selbst. Ein Teil der römischen Mauern dienen der Kirche als Fundament. Hier konnten sich die Soldaten und die Zivilbevölkerung erholen. Es gab eine Heizung, ein Dampfbad, Warm- und Kaltbäder sowie fließend warmes und kaltes Wasser. Die Fenster waren verglast. Ein dort aufgefundenes außerordentlich schönes und wertvolles Fresko wird im Saalburgmuseum gezeigt. In Echzell konnten die Besucher lediglich eine Kopie bewundern.

Wenn das Kastell in Echzell so viel bedeutender war als die Saalburg, warum konnte es so in Vergessenheit geraten, war die Frage, die sich den Besuchern stellte. Wie immer ist es der Einfluss der handelnden Personen, hier Kaiser Wilhelms II. Er kurte regelmäßig in Bad Homburg und sorgte als Bewahrer der Geschichte dafür, dass die vor den Toren der Stadt liegende Saalburg rekonstruiert wurde.

Auch die mittelalterliche Geschichte Echzells ist erwähnenswert. Der Ort wurde 782 von Karl dem Großen durch eine Schenkungsurkunde dem Kloster Fulda vermacht. Die Urkunde ist als Faksimile ausgestellt.

Ein letzter Schwerpunkt war die durch Urkunden, Fotos und Gerätschaften präsentierte Echzeller Apotheke, die seit 1770 privilegiert ist, was damals für so kleine Orte sehr selten war.

Bei der abschließenden Kaffeepause in der Weinscheune waren viele Teilnehmer erstaunt, wie wenig sie von dieser so nahen Heimat bisher wussten.

Zu den Bremer Stadtmusikanten und ins Auswandererhaus Bremerhaven

Jahresfahrt des Vogelsberger Kultur- und Geschichtsvereins
Fototermin vor dem Bremer Rathaus

Fototermin vor dem Bremer Rathaus

Der erste Stopp der diesjährigen Jahresfahrt des Vogelsberger Kultur- und Geschichtsvereins war in Hildesheim. Die Stadt wurde 1945 bei einem Bombenangriff fast vollständig zerstört. Die Mauern des Doms fielen auf den 1000-jährigen Rosenstock, der dabei verbrannte. Wie ein Wunder erschien es den Überlebenden dieser Katastrophe, als die Reste der Rose dennoch neue Triebe entwickelten. Der fast 10 Meter hohe Rosenstock ist seitdem ein Symbol für den Überlebenswillen der Stadt.

Der 1000-jährige Rosenstock

Der 1000-jährige Rosenstock

Dom, Michaeliskirche und historischer Marktplatz wurden nach alten Vorbildern wieder aufgebaut, wobei die Bürger von Hildesheim erhebliche Spenden aufbrachten, um das zu ermöglichen. Nach einem kurzen Orgelkonzert in der Michaeliskirche, berühmt für ihre buntbemalte Holzdecke, wurde das Ziel Bremen angesteuert.

Das malerische Schnoorviertel mit seinen individuellen Läden und Restaurants in den kleinen Häusern war ursprünglich der Wohnort vieler Bremer Kapitäne und Seeleute. Im gemütlichen „Beck’s in’n Snoor“ kehrte die Reisegruppe ein. Die Böttcherstraße ist eine weitere Bremer Attraktion. Sie war einst eine wichtige Verbindung zwischen Weser und Markt, in der Böttcher und Kimker, also Fass- und Zubermacher, ansässig waren. 1902 kaufte Ludwig Roselius, ein Bremer Kaffeekaufmann und Erfinder des koffeinfreien Kaffees, mehrere Häuser in dieser Straße und ließ sie nach seinen Vorstellungen neu bauen. Das Paula-Becker-Modersohn-Haus und das Haus Atlantis erregten wegen ihrer höchst ungewöhnlichen Formensprache nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt Aufsehen. Für die Nationalsozialisten war dieses Gesamtkunstwerk aber ein Beispiel für die „Verfallskunst der Weimarer Zeit“. Das damals angebrachte goldene Fries am Eingang mit vielen kleinen den Arm hebenden Männchen und einer Kolossalfigur rettete die Straße vor dem Abriss. Nach der Zerstörung im zweiten Weltkrieg ließ der Sohn des Kafferösters die Straße im Original wieder aufbauen. Das historische Bremer Rathauses mit seinen prächtigen Sälen, der Bremer Roland, der größte in der Bundesrepublik mit seinem salomonischen Lächeln und die Bremer Stadtmusikanten aus Bronze waren weitere Stationen. Überall in der Stadt finden sich von den Stadtmusikanten phantasievolle Nachbildungen. Besonders gefiel eine buntbemalte Gruppe, wo jedes Tier ein Buch in der Pfote hält und darin liest. Sie wurde anlässlich eines Tags zur Leseförderung geschaffen.

Bremer Stadtmusikanten im Lesewettbewerb

Bremer Stadtmusikanten im Lesewettbewerb

Im Künstlerdorf Worpswede besuchte die Reisegruppe das Museum im Modersohn Haus. Paula Modersohn schuf in den unvergleichlichen Lichtverhältnissen des Ortes inmitten des Teufelmoors angeregt durch die in der Künstlerkolonie herrschende kreative Stimmung herausragende Bilder, die dem frühen Expressionismus zugerechnet werden und ihm den Weg bereiteten.

"Café Verrückt" mit Bacchus-Brunnen in Worpswede

„Café Verrückt“ mit Bacchus-Brunnen in Worpswede

Die nächste Station war Bremerhaven. Von der Aussichtsplattform des Atlantic Hotel Sail City hatten die Teilnehmer/innen einen weiten Blick über die Stadt, das Hafengelände und die Wesermündung.

Wesermünde und Hafen in Bremerhaven

Wesermündung und Hafen in Bremerhaven

Es schloss sich ein Besuch im Deutschen Auswandererhaus an. Mehr als 7 Millionen Menschen brachen von Bremerhaven auf nach Amerika. Das Museum veranschaulicht das am Beispiel echter Biografien und plastisch nachempfundenen Stationen wie der Wartehalle vor der Abreise, der Überfahrt im Unterdeck unter teilweise erbärmlichen Bedingungen, der Ankunft in Amerika auf Ellis Island, wo die Einwanderer auf Krankheiten untersucht und auf ihre Gesinnung geprüft wurden. Außerdem mussten sie Bares vorweisen, um am Grand Central Bahnhof eine Fahrkarte für die Weiterfahrt kaufen zu können. Wer hier durchfiel wurde zurückgeschickt. Deutschland war aber nicht nur ein Auswandererland sondern immer auch ein Einwandererland. Das wird im 2. Teil des Museums anhand der Millionen eingereisten „Gastarbeiter“ in den 70er Jahren dargestellt. Viele Teilnehmer hatten Daten von Verwandten oder Bekannten mitgebracht und konnten in der angeschlossenen Datenbank recherchieren, mit welchem Schiff diese gereist waren und was ihr Bestimmungsort war. Mit einer Rundfahrt durch das große Hafengelände, bei dem viel Wissenswertes über die großen Autotransportfrachter vermittelt wurde, endete dieser erlebnisreiche Tag.

Die Rückfahrt wurde in Göttingen unterbrochen. Ein Rundgang durch die Altstadt, die Besichtigung des Aula-Gebäudes mit dem reich illustrierten Karzer durch ehemalig hier einsitzende Studenten und das mit historischen Ereignissen reich bemalte Rathauses rundeten das Programm dieser viertägigen Reise ab.

Studenmalerei imGöttinger Karzer

Studenmalerei imGöttinger Karzer

Jutta Kneißel die Organisatorin der Reise erhielt für die gute Planung und den reibungslosen Ablauf viel Lob und Anerkennung von den Teilnehmern/innen, was sicher zu dem guten Klima in der Gruppe beitrug.

Vogelsberger Kultur- und Geschichtsverein

besucht die

Burg Gleiberg und den Gailschen Park

Die auf einem markanten 308 m hohen Basaltkegel gelegene Burg Gleiberg ist ein weithin sichtbares Wahrzeichen des Gleiberger Landes. Bei schönstem Sonnenwetter war sie das Ziel des Vogelsberger Kultur- und Geschichtsvereins.

Die Gruppe vor der Burg Gleiberg

Die Gruppe vor der Burg Gleiberg

Die Geschichte der Burg reicht zurück bis in das 1. Jahrtausend. Sie war Sitz der Grafen von Gleiberg und nach deren Aussterben der Herren von Merenberg. Im 30jährigen Krieg wurde die Burg zerstört. Da sie keine militärische Bedeutung hatte, wurde auf den Wiederaufbau verzichtet. Schon 1879 wird der Gleiberg-Verein Eigentümer der Burg und verpflichtet sich, den weiteren Verfall zu stoppen.

Die Burg ist in eine ältere Oberburg und die später erbaute Unterburg gegliedert, wobei die Oberburg im Jahr 950 n. Chr. gebaut wurde. Die Ruine der Burg besticht durch den aus dem 12. Jahrhundert stammenden imposanten Bergfried. Er verfügt über eine vorgelagerte und gerundete Mantelmauer und hat einen Durchmesser von etwa zwölf und eine Höhe von knapp 31 Meter. Von der Plattform auf dem Bergfried hat man eine schöne Aussicht über das Gießener Becken zum Vogelsberg, zum Westerwald und zum Taunus.

Blick in das Gießener Becken

Blick in das Gießener Becken

Die Ruine des Palas mit einer noch stehenden Giebelwand und Spitzbogenpforten wird auf das 13. Jahrhundert datiert. Man erkennt die Lichtschlitze der Kellergewölbe. Die Burg ist von einer Ringmauer eingefasst, wurde auf einem etwas höher liegenden Gelände erbaut und war für sich allein verteidigungsfähig. Dr. Jürgen Leib, Schriftführer des Vereins, informiert über die umfassenden Sanierungsarbeiten, die der Verein, der 700 Mitglieder hat, im Laufe der Zeit durchgeführt hatten. Letztes großes Projekt war die Sanierung des Bergfrieds. Insgesamt wurden seit 1950 rd. 4,5 Mio. € investiert. Darunter waren Zuschüsse des Landes Hessen, der Gemeinde Wettenberg, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, viele kleinere Spenden und Vereinsmittel.

Nach einer Mittagspause in der Burggastronomie ging es weiter zum Gailschen Park, einem der 100 schönsten Parks in Deutschland. Der Tabak und Keramikfabrikant Wilhelm Gail (1845-1925) ließ den kleinen aber feinen Park im 19. Jahrhundert anlegen und engagierte dafür prominente Fachleute aus Frankfurt wie den Gartenkünstler Heinrich Siesmayer und den Gartendirektor Andreas Weber. Die als gründerzeitliches Landhaus gebaute Villa, geplant von dem Frankfurter Architekten Franz von Hoven, wurde 1897 fertig gestellt. Wilhelm und seine in Chicago geborene Ehefrau Wilhelmine geb. Mahla (1860-1898), genossenen mit ihren vier Kindern den Rodheimer Sommersitz. 2003 erwarb die Gemeinde Biebertal das Grundstück und öffnete den Park für die Öffentlichkeit. Bis dahin ahnte niemand, was für ein Schatz sich hinter den hohen Mauern verbarg. Auch hier kümmert sich ein Freundeskreis, der über 600 Mitglieder hat, um die Erhaltung des Parks. Auf ihre Initiative hin wurde der Park unter Denkmalschutz gestellt.

Beim Rundgang eröffnen sich immer neue Sichtachsen, so auf das von Baurat Professor Dr. Hugo von Ritgen entworfene Schweizer Haus, den Uhrenturm aus Gailscher Keramik, die Wasserkünste mit Teich, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstandene Spielhaus und zahlreiche weitere Elemente. Sie stellen ein einzigartiges Gesamtkunstwerk dar, das von Professor Borgmeier auf exzellente Weise vorgestellt wurde. Mit einer Kaffeepause in einem nahegelegenen Hotel endete der schöne Tag, der den Teilnehmer/innen lange in Erinnerung bleiben wird.

 

Fahrt nach Wächtersbach

Wächtersbach gehört zu den weniger bekannten Sehenswürdigkeiten im Umkreis. Dabei hat die auf eine Gründung von Kaiser Friedrich Barbarossa zurückgehende Kleinstadt viel zu bieten. 27 Kulturinteressierte Mitglieder des Vogelsberger Kultur- und Geschichtsvereins begaben sich auf Spurensuche.

Schottener in Wächtersbach

Schottener in Wächtersbach

Der Stadtkern wird geprägt von dem alten Fürstenschloss. Zunächst als wehrhafte staufische Wasserburg gebaut entstand Anfang des 19. Jahrhunderts das Schloss in seiner heutigen Form als geschlossene Vierflügelanlage. Die Grafen zu Ysenburg und Büdingen residierten dort seit 1687. Sie bauten ein Verwaltungsgebäude, die Rentkammer, einen Marstall und das Prinzessinnenhaus für die unverheirateten und verwitweten Frauen der Familie. Während das Prinzessinnenhaus sich heute in Privatbesitz befindet und in einem sehr gepflegten Zustand ist, steht das Schloss seit vielen Jahren leer. Mittlerweile hat sich ein Mäzen gefunden, der das Schloss restaurieren und dann der Stadt übergeben will.

Der umliegende Schlosspark im Stil eines englischen Landschaftsgartens wird von dem Heimat- und Geschichtsverein der Stadt gepflegt, der dort auch einen Baumlehrpfad eingerichtet hat. Bemerkenswert ein großes Kreuz am Eingang des Parks, errichtet von nach dem Krieg aus ihrer Heimat Vertriebenen, die um eine Rückkehr bitten. Weiter hinten im Park ein großer Stein mit einer Gedenktafel, 50 Jahre später. Dieser wurde von den nunmehr voll integrierten Bürgern als Dank an ihre neu gefundene Heimat dort hin gestellt.

Auf dem Gang durch den historischen Stadtkern mit vielen gut erhaltenen Fachwerkhäusern kommen die Besucher auch an Resten der alten Stadtmauer vorbei. Nachdem Wächtersbach 1404 die Stadtrechte erhielt, waren die Bürger verpflichtet, Stadt und Schloss zu schützen. Die Mauer war jedoch nicht begehbar. Zur Verteidigung dienten einige Halbrundtürme. Wenn Gefahr von durchziehendem Militär oder marodierenden Banden drohte, wie z.B. im dreißigjährigen Krieg, beschlossen die Stadtväter, die Tore zu öffnen. Sie rechneten damit, dass der so entstehende Schaden geringer wäre als eine gewaltsame Eroberung der Stadt. Damit sind sie gut gefahren.

Eine besondere Sehenswürdigkeit ist die Evangelische Kirche, die von außen nicht als Kirche zu erkennen ist. Ein Wachtturm der Stadtmauer, die an diese er Stelle einen rechten Winkel bildet, wurde im 16. Jahrhundert an eine kleine Kapelle angesetzt und zwei Jahrhunderte später wurde der Bau durch ein Querschiff erweitert. So entstand ein großer, nahezu quadratischer Innenraum mit zwei übereinander angebrachten Emporen auf drei Seiten und einer Galerie über der mittig stehenden Kanzel. Einziger Schmuck sind drei schöne Glasfenster und die verzierten Holzsäulen und Balustraden. Ein Besuch im Wächtersbacher Heimatmuseum rundete den Besuch ab.

Eine große Abteilung ist der Wächtersbacher Keramik gewidmet. Graf Adolf II. zu Ysenburg-Wächtersbach gründete 1832 eine Steingutfabrik, nachdem in Schlierbach tonhaltige weiße Erde gefunden worden war. Für die Gestaltung der Keramik konnten namhafte Künstler gewonnen werden. Besonders begehrt sind heute noch die vielen Gebrauchsgeschirre, Vasen und Schmuckteile aus dem Jugendstil. Auch hier wird der Betrieb durch das Engagement vieler ehrenamtlicher Mitarbeiter/innen aufrechterhalten, die sich im Laufe ihrer Tätigkeit ein umfassendes und tiefgehendes Fachwissen erarbeitet haben.

Mit einer Rundfahrt durch die südlichen Ausläufer des Vogelsbergs endete dieser erlebnisreiche Tag.

Mittelalterliche Kathedralen und lebendige Städte

Jahresfahrt des Vogelsberger Kultur- und Geschichtsvereins

Unsere Reisegruppe

Unsere Reisegruppe

Straßburg mit seinem Münster war das erste Ziel bei der jüngsten Jahresfahrt des Vogelsberger Kultur- und Geschichtsvereins. Die ältesten Bauteile stammten aus der Romanik bis man von den Baumeistern aus dem alten Persien lernte, die hohen gotischen Spitzbögen zu bauen. Wunderbar die farbigen Fenster, die während des 2. Weltkriegs ausgelagert waren und so vollständig erhalten blieben. Zeigen sie auf der einen Seite biblische Szenen, sind auf der anderen alle deutschen Kaiser dargestellt. Ein Rundgang durch die Altstadt und das lebendige Fischerviertel schlossen sich an. Protestantische Hauptkirche ist die Thomaskirche mit dem spätbarocken Mausoleum Moritz von Sachsen. Er war französischer Marschall und konnte wegen seines lutherischen Glaubens nicht in Paris beerdigt werde. Nach einem Blick auf das Denkmal Gutenbergs, der 5 Jahre in Straßburg lebte und die Buchdruckerkunst mitbrachte, verabschiedeten sich die Teilnehmer.

Nächster Halt war das kleine Barockstädtchen Ettenheim. Lachen mussten die Teilnehmer als ihnen die Stadtführern erklärte, der wunderhübsche Prinzengarten sei nach Versailler Vorbild gebaut, mit Gemüsegarten, grünem Rasen, Obstgarten und Wäldchen. Alles war da, sogar ein kleines Gartenhaus, aber im Miniformat. Die sehr gepflegte Anlage ist ehrenamtlichem Engagement zu verdanken. Bürger der Stadt verhinderten, dass dort ein Parkplatz gebaut wurde und finden sich jeden Dienstag zur Gartenarbeit ein. Ein Rundgang durch das reizvolle Barockstädtchen und ein Blick in die barocke Pfarrkirche beendeten den Besuch.

Eine Besonderheit stellt das Freiburger Münster dar. Errichtet von den Herzögen von Zähringen war es lange Stadtkirche und gehört noch heute dem Münsterfabrikfonds, die Kirche hat nur Nutzungsrechte. Erzbistum ist Freiburg erst seit 1821. Der Turm ist der einzige noch im Mittelalter fertiggestellte gotische Großturm. Die vielen bunten Glasfenster wurden von ortsansässigen Handwerkern gesponsert, die dafür unter den biblischen Geschichten ihre Zunftzeichen hinterließen. Die lebendige Stadt wird von vielen Bächle durchflossen, Ableitungen von der Dreisam, die früher die Abfälle und anderen Unrat in den Fluss spülten. Sie hat trotz Kriegszerstörungen noch viele sehenswerte historische Gebäude und ein beeindruckend geschlossenes Stadtbild.

Um der Hitze zu entfliehen ging es in die Höhen des Schwarzwaldes, zu der ehemaligen Benediktinerabtei  Sankt Peter, heute ein geistliches Zentrum. Professor Mühleisen führte die Gruppe durch die barocke Pfarrkirche. Als Stift neuen Typus, der sich der Bildung, der Künste und der Wissenschaften widmet, gehört zu Sankt Peter eine Klosterbibliothek, die als der schönste Rokokoraum des Breisgaus gilt. Jedes Bild in diesem Raum hat eine klar definierte Botschaft: So stehen hinter einem Mönch auf einer Querseite Engel, die das himmlische Wissen überbringen, während der Mönch auf der anderen Querseite diese Inspiration nicht braucht und so den aufgeklärten „Selbstdenkers“ verkörpert.

Am vorletzten Tag stand Basel auf dem Programm. Diese Stadt, von vielen nur auf der Durchfahrt in den Süden als Ansammlung hässlicher Industriebauten erlebt, hat eine überaus charmante Innenstadt. Hier konnten die Teilnehmer/innen das dritte gotische Münster sehen, gedrungener als Straßburg und Freiburg, aber sehr viel heller und mit ebenso schönem Maßwerk im angeschlossenen Kreuzgang. Auffallend nach dem Trubel in den anderen Städten war die Ruhe auf dem sich als geschlossenes Bauensemble  präsentierenden Münsterplatz. Von der Aussichtsterrasse hatte man einen wunderbaren Blick auf den Rhein, Schwarzwald und Vogesen. Die Stadt ist auf zwei Hügeln erbaut. Die bessere Gesellschaft wohnte oben, weil aller Unrat nach unten in die Bäche und anschließend in den Rhein geleitet wurde. Mitten in der Altstadt liegt das imposante Rathaus mit einer roten Fassade und einem markanten Turm. Bedauert wurde, dass keine Zeit war, um eines der berühmten Museen der Stadt zu besichtigen.

Der Ursprung des heutigen Basel liegt wenige Kilometer weiter nach Osten, in Augusta Raurica, wo die Römer im 2. Und 3. Jahrhundert eine Stadt gebaut hatten, die über 15.000 Einwohner hatte. Im dortigen Museum findet man nicht nur ein originalgetreu wiedererrichtetes Wohnhaus eines reichen Bürgers sondern auch einen einmaligen Silberschatz, der vor fünfzig Jahren beim Bau eines Sportplatzes ans Tageslicht kam und neben kostbaren Schalen, neuwertige Münzen, Löffel und Essgeschirr aufweist.

Auf dem Rückweg gab es noch einen Halt in der alten Zähringerstadt Villingen. Anders als in Freiburg  kann man hier die Anlage der Stadt noch gut erkennen: zwei Straßen, die sich kreuzen und an allen vier Ausgängen Stadttore, von denen noch drei erhalten sind. Höhepunkt im Jahr ist die badische Fastnacht. Die Stadtführerin erwartete die Besucher in der Tracht, die zu diesem Anlass getragen wird und  die in den Familien seit Generationen weitervererbt wird. Mit launigen Anekdoten aus der Stadtgeschichte verging die Zeit bei diesem kurzweiligen Besuch wie im Fluge.

Zum Abschluss gab es noch eine Fahrt durch den Schwarzwald und schon waren die vier erlebnisreichen Tage vorbei.

Unbekanntes Hessen

Entdeckungen mit Erika Müller, der Vorsitzenden des Denkmalbeirats im Vogelsbergkreis

Über einen schmalen Waldweg schlängelt sich der Bus zum Christenberg, einem vier Hektar großen waldfreien Plateau mit einem markanten Kirchenbau, der Martinskirche inmitten eines Friedhofs. Er war die erste Station des jüngsten Ausflugs des Vogelsberger Kultur- und Geschichtsvereins, der aufgrund der profunden Kenntnisse Erika Müllers für die 33 Teilnehmenden zu einem besonderen Erlebnis wurde.

Begeisterte TeilnehmerInnen

Begeisterte TeilnehmerInnen

Der Christenberg war bereits zu keltischer Zeit besiedelt und hatte für die Archäologen bis zur Entdeckung des Keltenfürstes einen ähnlichen Rang wie der Glauberg. Nachdem die Kelten verschwunden waren siedelten sich im Mittelalter die Franken an. Von der damaligen dichten Bebauung sind heute noch Burgmauerreste und Reste der Befestigungsanlagen erhalten. Die heute evangelische Martinskirche aus dem lokal vorhandenen roten Sandstein wurde im romanischen Architekturstil errichtet und ist der Nachfolgebau eines vermutlich karolingischen Gotteshauses an dieser Stelle. Sein einschiffiges Langhaus und der Wehrturm stammen aus der Zeit um 1000. Das Chorgebäude, das das Langhaus an der Ostseite abschließt, wurde erst 1520 hinzugefügt. Eine weitere Besonderheit ist eine Außenkanzel an der Südseite, die mit 1618 datiert ist. Nahe bei der Kirche befindet sich ein historisches Küsterhaus in Fachwerkbauweise, das ein kleines Museum beherbergt, in dem die Funde von dem Christenberg dokumentiert sind. Weiter geht es nach Langenstein. Seinen Namen hat das Dorf vom langen Stein, einem 4,75 Meter hohen Hinkelstein, der ca. 60 Tonnen wiegt und an der Kirchhofsmauer der evangelischen Sankt Jakobus Kirche in der Mitte des Ortes lehnt.

Der lange Stein

Der lange Stein

Der kleine Platz hat wieder eine ganz besondere Atmosphäre. Die Kirche versetzt die Teilnehmer/innen dann endgültig ins Erstaunen. Sie besitzt als nur eine von zwei Kirchen in Deutschland ein doppeltes freischwebendes sechseckiges wabenförmiges Netzgewölbe, das der Kirchenkuppel eine ungemeine Leichtigkeit verleiht. Auch die Schnitzereien an der Kanzel und die Tafelbilder an der Empore wurden ausgiebig bewundert.

Wabenförmiges Netzgewölbe in der Kirchenkuppel

Wabenförmiges Netzgewölbe in der Kirchenkuppel

Nach einer Mittagspause ging es zum Frauenberg mit einer imposanten Burgruine. Sie stammt aus der Mitte des 13. Jahrhundert. Sophie von Brabant, Tochter der heiligen Elisabeth und Mutter des ersten hessischen Landgrafen Heinrichs I., ließ diese Burg (nach 1252), als Bollwerk gegen das kurmainzische Amöneburg errichten. In der Nachfolgezeit war die Burg unter wechselnder Lehnsherrschaft. Die frühe Zerstörung der Burg fand bereits in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts statt. Der nur knapp 8 Kilometer von der Marburger Stadtmitte entfernte Frauenberg ist einer der am meisten besuchten Aussichtspunkte der Region. Bei klarem Wetter reicht der Blick weit ins Land hinein. Auf dem Burgplatz steht ein eher unscheinbarer Stein. Er ist Teil einer wissenschaftlichen Anlage, die die Vermessung der Welt zum Thema hat. Erdacht wurde sie von Christian Ludwig Gerling, Mathematiker, Physiker und Astrologe, geboren 1788. Er erhielt 1822 den Auftrag, Kurhessen zu vermessen. Hierfür entwickelte er die sogenannte Kurhessische Triangulierung, ein Verfahren, das auf einem Netz von Dreiecken basiert. Mit diesem System hatte er die Entfernung Einbeck – Berger Warte auf 23 cm genau gemessen. Der 175 Jahre alte Steinpfosten stürzte irgendwann um und geriet in Vergessenheit, bis er vor 2 Jahren von einem Freundeskreis als“ kulturhistorisch wertvolles astronomisch – geodätisches Kleindenkmal“  wieder aufgestellt wurde. Den Abschluss fand der Ausflug in Wittelsberg, wo die als Ruine erhalten gebliebene Wittelsberger Warte von 1431, einen Rundturm mit Wall und Graben bewundert wurde. Sie befindet sich unmittelbar neben der Pfarrkirche und diente den hessischen Landgrafen dazu, die durch den Ort führenden Fernstraßen zu überwachen. Landgraf Ludwig I. ließ die Warte als äußerstes Grenzwerk der hessischen Macht erbauen, als Vorposten für die Burg Frauenberg. Von der erhöhten Lage auf dem Kirchberg aus reicht der Blick weit über das Gebiet der Gemeinde Ebsdorfergrund. Der Wartturm, der zu den ältesten Bauwerken im Ebsdorfergrund gehört, wird im Volksmund „die Schanze“ genannt. Ein Abschlusskaffee in gemütlicher Runde schloss den rundum gelungenen, vom Wetter begünstigten Ausflug ab, was in dem Dank an Frau Müller von der Vorsitzenden Elke Schmidt und der Schriftführerin des Vereins, Jutta Kneißel zum Ausdruck gebracht wurde.