Okt 172020
 

Es gab viele Interessierte, aber wegen Corona gab es viele Absagen. Dazu kam, dass die GRIMMWELT Kassel aktuell keine Führungen durchführt. Die verbliebenen 14 Besucher waren also auf sich gestellt. Ausgerüstet mit einem Wegweiser von A bis Z, der aber keineswegs dem Alphabet nach ging, suchten wir uns den Weg durch den Rundgang.

Die erste Hälfte war den Sprachforschern Grimm gewidmet. Sie veröffentlichten unzählige Bücher und Aufsätze zu literarischen, sprachwissenschaftlichen, rechtskundlichen, mythologischen und historischen Themen. Aufgrund ihrer sprach- und literaturhistorischen Forschungen gelten die Brüder Grimm als Begründer der Germanistik.  Ihr größtes Projekt aber war das Deutsche Wörterbuch. Es sollte ursprünglich 7 bis 10 Jahre dauern. Fertig ist es bis heute nicht. Wilhelm Grimm war bis zu seinem Tod bis zum Buchstaben D gekommen. Jacob Grimms letzter Eintrag war das Wort Froteufel, das heute längst wieder daraus verschwunden ist. Die Sprache ist etwas Lebendiges, sie verändert sich im Gebrauch stetig. 1971 lag das Wörterbuch erstmals vollständig vor. Da hatte sich aber so viel verändert, dass es wieder neu bearbeitet werden musste. In der Ausstellung werden unendlich viele Dokumente, Faksimile, Briefe und Bücher aus dem Schaffen der beiden Brüder gezeigt. Will man sie in Ruhe betrachten bräuchte man mehrere Wochen, wenn nicht Monate.

Einem breiten Publikum bekannter sind die Brüder Grimm als Märchenerzähler. Sie verwandelten volkstümliche Erzählstoffe in Kinder- und Hausmärchen und empfahlen sie den bürgerlichen Müttern als Vorlesestoff für ihre Kinder. Die Märchen wurden in unzählige Sprachen übersetzt. Davon zeugt nicht nur eine Vitrine mit den fremdsprachigen Ausgaben sondern auch die wunderbare Videoinstallation, in der Erzähler aus 23 Nationen das Märchen Rumpelstilzchen erzählen. Da Deutsch als roter Faden durchläuft kann man auch die fremden Töne sehr gut einordnen.

Ein weiteres Puppenspiel zeigt die Geschichte: „Einer muss heiraten“, in der Mutter Grimm ihren Sohn Jacob unbedingt mit Dorothe verheiraten will. Der schüchterne Jacob schickt Wilhelm vor, damit der ihm zeigt, wie Brautwerbung geht. Dabei macht Wilhelm allerdings Dorothea einen eigenen Antrag, den diese annimmt, was die Mutter zum Kommentar verleitet: egal, einer muss sie heiraten.

Sehr gut herausgearbeitet werden die wiederkehrenden Motive, die den Märchen zugrunde liegen. Fast alle erzählen vom Aufbruch der Kinder aus der Familie in die Gesellschaft, von den Gefahren und Herausforderungen, die auf dem Weg warten und an denen die Helden wachsen und die Schwachen untergehen. Diese thematischen Schwerpunkte werden in einer Sonderausstellung zur Farbe noch vertieft. Alle Farben haben einen Symbolgehalt: Weiß steht für Reinheit und Unschuld siehe Schneewittchen.  Schwarz steht für das Böse, so der böse Wolf, der sich die Pfote weiß färbt, um von den 7 Geißlein eingelassen zu werden. Rotkäppchen trägt eine rote Kappe, sie steht für Unternehmungslust und Abenteuer. Und dann natürlich Gold für das Glück, so findet Hans den Goldklumpen, auf Sterntaler regnet es herab, die Goldmarie wird für ihren Fleiß belohnt ebenso wie die Pechmarie für ihre Faulheit. Das graue Aschenputtel wird aus dem Staub erhoben usf.

Mit einem leckeren Imbiss und bei lebhaften Gesprächen in der ökologisch geführten Cafeteria endete dieser schöne und erlebnisreiche Ausflug.